Bewusstsein

Geschichten regieren die Welt

So – jetzt aber mal wirklich zum Titel der Website und der Zeit für Geschichten. Wobei Zeit nicht der richtige Ausdruck ist, denn wenn wir Geschichten hören, sehen und denken, heben sie die Zeit auf. Wir sind zeitlos. Ein wunderbarer Zustand, der alles andere bedeutet als verlorene Zeit. Es ist eher gewonnene Zeit, die nicht zerrinnt.

Also habe ich gehört …

Seitdem es die Menschheit gibt und sie sich wahrnimmt, haben wir uns Geschichten erzählt. Damit transportieren wir Informationen und Emotionen und wir haben uns mit Geschichten geheilt und uns gerettet. Ich denke, Psychotherapeuten würden in dem Punkt zustimmen. Wir leben in unserer eigenen Wahrheit, in einer Art Aquarium, das diesmal nicht mit Wasser gefüllt ist, sondern mit Geschichten. Das was außerhalb der Glasscheibe des Aquariums ist, sehen wir nur verschwommen. In den Geschichten dümpeln wir und merken nicht einmal, dass wir ständig von Geschichten umgeben sind. Aus dem Grund versuchen wir, in der Meditation uns der Geschichten bewusst zu werden, damit das „Wasser“ um uns herum wieder klar wird und wir wieder freie Sicht bekommen. Offenbar fällt uns das aber schwer, weil wir auch selbst aus Geschichten bestehen. Aber wo sind wir? Wer ist das, der inmitten der Geschichten steckt? Oft ist es so, dass wir uns auch durch diese Geschichten identifizieren oder sie wie eine Rüstung vor uns hertragen. Wenn wir einem Menschen, sagen wir auf einer Party begegnen, stellen wir uns vor: „Ich bin der Klaus“, und das Gegenüber sagt, „Ich heiße Günther und was machst du so?“ Dann platzt die Geschichte in einem Wort heraus: „Abteilungsleiter!“ Super Sache. Das soll doch heißen: ich habe es geschafft, ich habe Bedeutung, ich habe etwas zu sagen und ich bin wichtig. Geschichten! Man ist etwas und wer ist man wirklich?

Auf dem Trockenen

Junge Buddhisten in der Theravada-Tradition, bekommen bei ihrer Ordination oft die Aufgabe, zunächst einmal über die Frage zu meditieren: „Wer bin ich?“ Wenn der frischgebackene Mönch vorher Abteilungsleiter war, dann ist er das jetzt nicht mehr und die ganzen Geschichten, in denen er schwamm, zählen jetzt nicht mehr. „Wer bin ich?“ Eine interessante Frage, wenn ich auf dem Trockenen sitze, also quasi aus dem Aquarium heraus bin. Vielleicht kommen später wieder neue Geschichten hinzu, wenn ich sie zulasse.

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